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Wenn Angst schützen will – und trotzdem belastet

  • 6. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

3–4 Minuten Lesezeit


Manche Menschen leben mit einem inneren Gefühl von Anspannung. Gedanken kreisen, der Körper reagiert schnell, Situationen werden vermieden oder besonders genau kontrolliert. Oft ist da die Frage: Warum reagiert mein Inneres so stark, obwohl ich weiß, dass es eigentlich sicher ist?

Vielleicht kennen Sie das: Ihr Verstand sagt „Es ist alles gut“, doch Ihr Körper meldet etwas anderes. Herzklopfen, Unruhe, Enge oder der Impuls, sich zurückzuziehen – als würde etwas in Ihnen vorsorglich reagieren.

Viele Betroffene erleben Angst nicht nur in einer bestimmten Situation, sondern in verschiedenen Formen: Angst vor Nähe oder Verlust, vor Krankheit, vor Fehlern, vor Entscheidungen oder davor, die Kontrolle zu verlieren. Häufig kommt Scham hinzu – das Gefühl, „zu sensibel“ zu sein oder sich zusammenreißen zu müssen.

In der systemischen Therapie verstehen wir Angst nicht als Gegner, sondern als Schutzreaktion.Angst entsteht dort, wo Sicherheit fehlt oder einmal gefehlt hat. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren und versucht, Überforderung zu vermeiden. Entscheidend ist dabei nicht die aktuelle Situation allein, sondern die innere Lerngeschichte von Körper und Nervensystem.

Aus systemischer und traumasensibler Sicht hatte Angst immer einen guten Grund. Sie hat geholfen, aufmerksam zu bleiben, sich anzupassen oder schwierige Erfahrungen zu überstehen. Auch wenn sie heute belastend wirkt, war sie früher oft sinnvoll – manchmal sogar notwendig.

Wenn Angst unbewusst weiterwirkt, kann sie den Alltag stark einschränken. Entscheidungen werden mühsam, Beziehungen anstrengend, der eigene Handlungsspielraum kleiner. Nicht, weil etwas „nicht stimmt“, sondern weil ein inneres Warnsystem dauerhaft aktiv ist.

Therapeutische Begleitung kann helfen, Angst neu zu verstehen – nicht durch Wegmachen, sondern durch Einordnen.Wenn klar wird, wovor Angst eigentlich schützt und welche Erfahrungen dahinterstehen, entsteht Abstand. Schritt für Schritt kann das Nervensystem lernen, zwischen früherer Gefahr und heutiger Sicherheit zu unterscheiden.

Systemische Therapie bezieht dabei nicht nur das individuelle Erleben ein, sondern auch Beziehungserfahrungen, Bindungsmuster und innere Loyalitäten. Angst wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs.

Viele Menschen erleben diesen Prozess als leise Veränderung. Mehr innere Ruhe. Mehr Vertrauen in den eigenen Körper. Und manchmal einfach das Gefühl: Ich darf mich sicher  darf mich sicher fühlen – auch ohne ständig auf alles vorbereitet zu sein. fühlen – auch ohne ständig auf alles vorbereitet zu sein.



 
 
 

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