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Warum Grenzen oft Schuldgefühle auslösen

  • 6. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

3–4 Minuten Lesezeit

Manche Menschen spüren sehr genau, wann etwas zu viel wird. Sie merken, dass sie eigentlich eine Grenze bräuchten – mehr Abstand, ein Nein, eine Pause. Und trotzdem sagen sie Ja. Oder sie setzen die Grenze und fühlen sich danach schuldig, unruhig oder innerlich falsch.

Vielleicht kennen Sie das: Die Grenze ist eigentlich klar – und doch meldet sich sofort ein schlechtes Gewissen. Als hätten Sie etwas Verbotenes getan.

Viele Betroffene beschreiben genau dieses innere Dilemma. Grenzen fühlen sich nicht erleichternd an, sondern schwer. Gedanken tauchen auf wie: Ich bin egoistisch. Ich enttäusche andere. Ich bin nicht mehr liebenswert. Die Grenze schützt zwar äußerlich – innerlich entsteht jedoch Spannung.

In der systemischen Therapie betrachten wir Schuldgefühle bei Grenzsetzung nicht als Zeichen von Rücksichtslosigkeit, sondern als Hinweis auf innere Bindungen und Loyalitäten. Für viele Menschen waren Anpassung, Rücksichtnahme oder Verfügbarkeit lange Zeit notwendig, um Zugehörigkeit, Sicherheit oder Beziehung zu sichern. Grenzen zu setzen bedeutet dann innerlich nicht nur Abgrenzung – sondern das Risiko, Bindung zu gefährden.

Aus systemischer und traumasensibler Sicht hatten diese Schuldgefühle einen guten Grund. Sie haben geholfen, Beziehungen aufrechtzuerhalten, Konflikte zu vermeiden oder emotionale Sicherheit zu bewahren. Das Nervensystem hat gelernt: Grenzen könnten etwas kosten. Auch wenn diese Gefahr heute nicht mehr real ist, wirkt die alte innere Logik weiter.

Wenn diese Dynamik unbewusst bleibt, geraten Menschen oft in einen Kreislauf: Sie überschreiten ihre eigenen Grenzen, um Schuld zu vermeiden – und fühlen sich erschöpft oder überfordert. Oder sie setzen eine Grenze und kämpfen anschließend mit starken Schuldgefühlen. Nicht, weil die Grenze falsch ist, sondern weil ein innerer Teil noch an alte Bedingungen gebunden ist.

Systemische Therapie kann helfen, diese inneren Zusammenhänge sichtbar zu machen. Nicht mit der Aufforderung, „einfach Grenzen zu setzen“, sondern mit dem Verständnis dafür, was eine Grenze innerlich bedeutet. Wenn klar wird, wovor Schuldgefühle schützen und welche Loyalitäten dahinterstehen, entsteht Wahlfreiheit.

Grenzen müssen dann nicht gegen Schuld durchgesetzt werden – sie dürfen sich Schritt für Schritt sicherer anfühlen.

Viele Menschen erleben diesen Prozess als leise Verschiebung. Grenzen werden nicht härter, sondern stimmiger. Schuldgefühle verlieren an Macht, weil Zugehörigkeit nicht mehr an Selbstaufgabe gebunden ist.




 
 
 

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