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Wenn innere Treue stärker ist als der eigene Wunsch – über Loyalitäten

  • Heike Arndt
  • 6. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

2–3 Minuten Lesezeit

Manche Menschen spüren sehr genau, was sie eigentlich wollen – und tun es trotzdem nicht. Sie zögern, bremsen sich aus oder fühlen ein unerklärliches schlechtes Gewissen, sobald sie an Veränderung denken. Es ist, als würde etwas Inneres leise sagen: Das darfst du nicht. Das geht nicht.

Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Ein Teil von Ihnen möchte sich lösen, freier leben oder eigene Entscheidungen treffen. Und gleichzeitig hält etwas zurück – nicht laut, nicht klar greifbar, aber sehr wirksam.

Viele Betroffene beschreiben eine innere Spannung. Einerseits den Wunsch nach Selbstbestimmung, andererseits ein tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber anderen. Entscheidungen fühlen sich schnell egoistisch an, auch wenn sie lange überfällig sind. Oft ist da eine große Rücksicht, ein inneres „Ich will niemanden verletzen“.

In der systemischen Therapie sprechen wir in solchen Fällen von Loyalitäten. Gemeint sind tiefe innere Bindungen an Menschen oder Familiensysteme, die meist unbewusst wirken. Loyalität bedeutet hier nicht bewusste Treue, sondern eine innere Verbundenheit, die unser Handeln lenkt – oft weit über die Kindheit hinaus.

Diese Loyalitäten können sich zeigen als: das Nicht-Erlauben von Erfolg, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse, das Aushalten von Belastungen oder das Festhalten an Beziehungen, obwohl sie schmerzen.

Aus systemischer Sicht sind Loyalitäten kein Hindernis, sondern ein Ausdruck von Zugehörigkeit. Sie entstehen aus Liebe, Bindung und dem tiefen Wunsch, Teil des Systems zu bleiben. Oft haben sie früher Schutz geboten oder Zusammenhalt gesichert. Auch hier gilt: Dieses innere Festhalten hatte einen guten Grund.

Wenn Loyalitäten unbewusst bleiben, wirken sie häufig im Hintergrund weiter. Menschen geraten dann in innere Konflikte, fühlen sich zerrissen oder blockiert. Veränderung wird anstrengend, Entscheidungen kosten viel Kraft – nicht, weil etwas fehlt, sondern weil innere Treue stärker ist als der eigene Wunsch.

Systemische Therapie kann helfen, diese Loyalitäten sichtbar und verstehbar zu machen. Wenn klar wird, wem oder was man innerlich treu ist, entsteht etwas Entscheidendes: Wahlfreiheit. Loyalität muss nicht verschwinden – sie darf sich wandeln. Zugehörigkeit kann bleiben, auch wenn neue Wege gegangen werden.

Für viele fühlt sich dieser Moment an wie eine leise innere Erlaubnis.

Die Erlaubnis, sich zu bewegen – ohne jemanden innerlich zu verlieren.

 
 
 

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